Freitag, 24. Juni 2011

Syrien

Der syrische Präsident Assad richtete sich am Wochenende in einer Rede in der Universität von Damaskus an das syrische Volk um auf die fortwährenden Proteste und Gewalttaten zu reagieren. Hohe Erwartungen waren an diese Rede geknüpft. Würde Assad sich auf die Demonstranten zubewegen, die geforderten Reformen einläuten oder wenigstens dem Militär den Befehl geben nicht mehr auf wehrlose Zivilisten zu schießen?Die Erwartungen wurden enttäuscht, der Präsident wetterte gegen die Protestler, bezeichnete sie als Saboteure und machte das Ausland dafür verantwortlich das syrische Volk gegen ihn aufgebracht zu haben. Immerhin räumte er ein, dass einige Forderungen gerechtfertigt seien, gab aber keine klare Angaben, wann und wie er sie einzuläuten gedenke. Das Militär sei nötig um die Polizei zu unterstützen, zu massiv sei die Bedrohung für die Sicherheit des Landes. Ein Ende der Gewalt in Syrien ist damit nicht abzusehen, weiter flüchten viele Syrer in die Türkei um den Truppen von Assads Bruder zu entkommen der als Chef der Armee in dem Ruf steht mit besonders harter Hand gegen die Aufständischen vorzugehen. Unterstützung scheinen die Brüder von ihrem Verbündeten Iran zu bekommen, der ja im März letzten Jahres in den Wochen nach der Präsidentenwahl Erfahrung in Niederschlagen von Freiheitsbewegungen sammeln konnte und dieses Know-how nun an Syrien weiterzugeben scheint. Aufgrund dieser Allianz mit Iran und der guten Verbindung zur libanesischen Hisbollah wurde wohl bis dato noch kein militärischer Eingriff der Nato oder der UN veranlasst. Anders als der isolierte Gaddhafi ist Syrien ein gut vernetzter Staat mit einflussreichen und gefährlichen Partnern. Große Hoffnungen ruhen auf der Türkei, die wieder mal als Bindeglied zwischen arabischer und westlicher Welt gefragt und deren Premier Erdogan in beiden Kultursphären hohes Ansehen genießt.
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Freitag, 20. Mai 2011

Griechenland

Ein Land versinkt in seine Schulden, die es selbst zu verantworten hat. Die EU und vor allem ihr zahlungskräftigstes Mitglied Deutschland soll für die Versäumnisse der Griechen bezahlen und Milliarden von Euro in das marode Hellas pumpen. Ist das gerecht? Kann man die Griechen nicht einfach rausschmeißen aus der Eurozone und wäre alle Sorgen los? Wieso zeigen sich die Bürger Athens und Piräus nicht dankbar für die großzügige Hilfe der verbündeten Staaten, sondern protestieren, randalieren und beschimpfen die Geldgeber?

Alles berechtigte Fragen, die jedoch nicht weit genug reichen und das Problem nicht an seiner Wurzel packen. Die Frage wer diese Krise zu verantworten hat ist nämlich längst nicht so eindeutig wie es scheint. Anstatt die Schuld der griechischen Faulheit und Genügsamkeit in die Schuhe zu schieben, sollten sich viele Populisten in Europa fragen, warum die EU nicht schon lange das drohende Desaster erkannt und die erforderlichen Schritte eingeleitet hat? Eine gemeinsame europäische Finanzpolitik gab und gibt es nicht, obwohl sie mit einer gemeinsamen Währung mehr als logisch wäre. Doch die Angst vor dem Verlust von Souveränität und die Wahrung kurzfristiger nationaler Interessen bestimmten die europäische Politik der letzten Jahre, das Resultat bekommen nun die Griechen zu spüren, deren Regierungen in den letzten Jahren bei aller Kritik an der EU sicherlich die Hauptschuld an dem Finanzdebakel tragen.

Deutschland als wirtschaftlich stärkstes Land der Eurozone trägt den Löwenanteil an den zahlreichen Rettungspaketen. Das ist natürlich unangenehm, aber alternativlos. Die Bundesrepublik ist ebenso der größte Profiteur des vereinigten Wirtschaftsraums in Europa, da sie als Exportnation in viel größerem Maße vom breiteren Absatzmarkt profitiert als Volkswirtschaften die mehr auf den Landwirtschaft-und Dienstleistungssektor fokussiert sind.

Donnerstag, 12. Mai 2011

Comunio

Montagmorgen. Zeitungsberichte über Krieg und Frieden, Wahlniederlagen oder Siege, Naturkatastrophen oder der Wetterbericht interessieren nicht. Alles was zählt sind Noten, Punkte, und Marktwerte. Die Elf des Spieltages und das Gesamtklassement sind der Maßstab für die Befindlichkeit in der nächsten Woche. Wie begegne ich meinen Freunden, die hier als erbitterte Feinde agieren, denen man nicht die Butter auf dem Brot, oder besser, das Gras an den Stollen gönnt?Übergießt man sie mit Hohn und Spott über ihre Rumpelmannschaft, oder gibt man sich demütig aber dennoch kämpferisch in dem Wissen das sauer gesparte Geld in die falschen Spieler investiert zu haben?

So mancher junger Mann fungiert, besonders in der Endphase der Bundesligasaison, nur noch nebenberuflich als Student, Azubi, Zivi oder Berufseinsteiger. Hauptberuflich sind wir alle Fußballmanager, wachen argwöhnisch über den Transfermarkt, wälzen Statistiken über jeden noch so durchschnittlichen Verteidiger von Eintracht Frankfurt, wägen ab zwischen verschiedenen Aufstellungen und Strategien und haben dabei immer ein wachsames Auge auf die Aktivitäten unsere Gegenspieler.

Comunio heißt das Spiel, das die Herzen vieler Fußballfans höher schlägen lässt und das eine neue Dimension in das samstägliche Sportschaugucken gebracht hat. Auf einmal sind einem Spiele wie Nürnberg gegen Wolfsburg nicht mehr vollkommen egal, sondern entscheiden mit über das psychische Wohlbefinden in der nächsten Woche. Andererseits ertappt man sich des öfteren dabei die Faust zu ballen, wenn ein in der realen Welt eigentlich verhasster Spieler, der jedoch im virtuellen Team eine feste Größe ist, mal wieder sportliche Großtaten vollbringt, womöglich sogar gegen den eigenen Lieblingsclub ein Tor erzielt. Bewertungen einzelner Spieler an den Stammtischen werden mittlerweile nicht nur anhand der Leistungen der Spieler auf dem Feld oder der Reaktionen der Fachpresse vorgenommen, sondern anhand von Punkten und Marktwerten die sie der eigenen Mannschaft einbringen und so mancher Stab wurde schon über vermeintlichen Versagern gebrochen die nichts von ihrer Verbannung auf die Ersatzbank oder Verhökerung auf dem Transfermarkt ahnen und ignorant ihr Dasein als realer Fußballprofi weiterführen als wäre nichts gewesen.

Sonntag, 24. April 2011

WM 2006 Wiederholung

Sommer 2006, ein ganzes Land befindet sich auf einer Welle der Euphorie. Endlich wird ausgebrochen aus der jahrzehntelangen Verkrampfung, aus der griesgrämigen und unzugänglichen Stimmungslage und ein vierwöchiges Fest gefeiert mit Menschen aus aller Welt, die sich erstaunt und begeistert zeigen von der Offenheit und Herzlichkeit der deutschen Gastgeber. Vieles was in den nachfolgenden Jahren und Turnieren schon wieder einen leicht hysterischen Unterton hatte und oft wirkte wie der verzweifelte Versuch auf Knopfdruck patriotisch, unverkrampft und ausgelassen zugleich zu sein funktionierte in diesem Sommer und wirkte eben nicht künstlich aufgebauscht wie es heutzutage bei den meisten Public Viewing Veranstaltungen der Fall ist, sondern authentisch, fröhlich und mitreißend. Weil es spontan kam, unerwartet und so viele Menschen sich mit dieser neuen Unbekümmertheit identifizieren konnten, begeisterte das Sommermärchen 2006 ganz Deutschland, ließ kaum jemanden kalt. Weit mehr als ein großer sportlicher Erfolg der Nationalelf, war die WM 2006 ein gesellschaftliches Großereignis, das einiges in den Köpfen der Menschen verändert hat und auch die Sicht des Auslands auf Deutschland nachhaltig zum Positiven verändern konnte.

Allein die Wiederholung der Spiele der deutschen Mannschaft auf dem Spartensender Sport1 reichen, um dem Zuschauer eine Gänsehaut über den Rücken zu jagen. Das liegt natürlich an der Spannung und Dramatik der jetzt schon legendären Spiele etwa gegen Polen oder Argentinien, aber im gleichen Maße an den aufkommenden Erinnerungen. Die meisten wissen noch genau, an welchem Ort, mit welchen Freunden sie das Achtelfinale gesehen haben, oder wo sie mit Jens Lehmann im Viertelfinale gezittert haben und werden diese Erinnerungen ihr Leben lang behalten. Natürlich wurde einiges mittlerweile in den Medien so oft und penetrant durchgekaut, dass wir es schmeckt wie ein schales Bier, aber dennoch, manche Szene taugt immer noch zum bereits beschriebenen wohligen Schauer.

Sonntag, 10. April 2011

Kunsthandel


Wer erstarrt nicht in Ehrfurcht sobald er vor den Werken eines Picasso, Monets, Michelangelos, oder Rafaels steht?Wen schlagen die Arbeiten Salvador Dalís nicht in ihren Bann und wer hat sich nicht schon mal Gedanken über die unschätzbaren Werte dieser Meisterwerke Gedanken gemacht?

Genau an diesem Punkt,dem Wert der Kunst, setzen die Protagonisten der zeitgenössischen Kunstszene an. Jedoch zählt für sie kaum noch der künstlerische, ideelle Wert. Der Kunsthandel orientiert sich, genau wie der Handel mit Aktien, nach Zahlen und Fakten, nach kalten finanziellen Werten, Dividenden und purer Gewinnmaximierung. Leidenschaft spielt keine Rolle. Er ist Kunsthandel ein für den Laien unglaublich komplexes Netzwerk mit ganz eigenen Gepflogenheiten und Kuriositäten. Auktionen und Ausstellungen, Vernissagen und Biennalen machen nur einen verschwindend geringen Teil des Lebens eines Galeristen aus. Die meiste Zeit verbringt er vor seinem Laptop. Kunst wird mittlerweile, ähnlich wie Gold oder Aktien als Investition, Anlagekapital gesehen, und nur zum geringsten Teil dem Publikum überhaupt vorgeführt. Reiche Geschäftsleute, Oligarchen, Filmstars und andere Millionäre legen ihr Geld in Kunst an und beauftragen Agenten damit für sie Geschäfte zu machen. Die erworbenen Kunstgegenstände bekommen sie in den seltensten Fällen zu Gesicht, diese liegen gut verpackt und behütet in Lagern (beispielsweise in Zürich) und selbst wenn der Besitzer wechselt, wird das Bild, die Skulptur oder die Fotographie nicht an die Wand gehängt, sondern nur in das nächste Lager verschoben. Wer glaubt, der Kunsthandel sei geprägt durch die Sammelleidenschaft der zahlungskräftigen Liebhaber auf der Suche nach bisher unentdeckten Meisterwerken, macht sich etwas vor. Die Kunst verkommt oft zu einem Wirtschaftszweig, einem schnöden Produkt, einem kleinem Teil der Realität, deren Widerpart und Fluchtmöglichkeit sie eigentlich sein sollte.

Dienstag, 22. März 2011

Langeweile auf dem Bau


Auf dem Bau war es heute so richtig langweilig. Den ganzen Tag nur herum gestanden, die Finger in den Sand gesteckt. Jochen ist jetzt wieder fit und stand oben auf dem Gerüst, hat mir versucht auf den Kopf zu rotzen. Das habe ich mir nicht gefallen gelassen, bin also auch hoch aufs Gerüst. War ziemlich aus der Puste, als ich oben angekommen war. Ein kräftige Schlag auf den Rücken, ließ Jochen den Knochen herzhaft lachen. Danach spuckten wir gemeinsam in den Sand. Um die entsprechende Flüssigkeit zu entwickeln, hat uns natürlich ein Sterni geholfen.


Und ich wetten morgen werden wir wird schuften müssen, weil wir den heutigen Tag aufholen müssen. Dabei liegt es doch nicht an uns, dass wir heute nichts machen können. Der Kalk für den Mörtel fehlt. Die Baufirma ist beauftragt, nun gilt es zu warten, bis die Lieferung kommt. Es regnet ein wenig. Ich fühle mich unwohl. Die Stellen, auf die wir im Sand gespuckt haben, sind nicht zu sehen, denn der gesamte Sand ist vom Regen feucht.


Jochen erzählt mir etwas von einer Krankenschwester, die ihn ziemlich heiß gemacht hatte. Keine Ahnung, irgendwas hatte er wohl mit ihr gehabt, kann mich aber jetzt nicht mehr daran erinnern, was er erzählt hat. Muss wohl nicht hingehört haben, dass ich jetzt alles vergessen habe. Ich habe ihm von Juli erzählt. Er fand es albern. Das finde ich auch, aber manchmal passieren solche Dinge. Und generell, basieren diese Beziehungskiste nicht immer auf solche Albernheit, sowas wie eine totale Fixierung aufeinander. Keine Ahnung, der Regen hat mich irgendwie melancholisch gemacht. Bevor ich hier noch mehr Blödsinn schreibe, sollte ich den Eintrag beenden.

Donnerstag, 3. März 2011

Juli, meine Sonne

Noch immer Single ohne Hause. Wo sind nur die heißen Bienen? Es ist doch mittlerweile Frühling geworden, Zeit sich aus dem Schönheitsschläfchen zu erheben, um mit Christian ein paar ernste Wörtchen zu reden. Viel ist da nicht zu sagen, nur das du, meine Prinzessin mit mir, in mein neues Häuschen ziehen möchtest. Alter Leier sagt ihr, gut, ihr habt recht. Alter Leier, aber im neuen Jahr. Ich glaube ich sollte mich bei diesen E-Dating Plattformen anmelden. Gibt es ja mittlerweile zuhauf. Überall sehe ich die Werbung dafür. Das Blöde ist nur, dass diese Singe-Börsen dir den letzten Cent aus der Tasche ziehen. Den brauche ich aber für das Haus und für das Himmelbett, dass wir uns teilen werden.


Als ich die letzte Woche mit ein paar Freunden unterwegs war. Wir waren schon ziemlich angeschossen. Da traf ich im Pinocchio so ein hübsches Mädchen. Mit ihrer Freundin saß es da und ich stahl mir eins zwei Kippen aus ihrer Schachtel. Sagte ihr, sie würde die wiederbekommen. Aber wo, fragte sie. Wo auch immer, dass ist mir doch völlig egal. Wo kann ich dich denn treffen? Doch das verriet sie mir dann nicht, aber dass sie drei Kinder hätte, was ich natürlich nicht glaubt. Wie kann so ein hübsches Mädchen schon drei Kinder haben, die einen waren wohl Zwillinge. Sie hat mein Kompliment nicht ganz geschnallt und war etwas ärgerlich über meine Bemerkung. Sie interessierte mich immer mehr, doch anscheinend hatte ich schon so viel im Tee, dass sie immer mehr Abstand von mir nahm. Letztendlich war aus ihr keine Adresse noch Telefonnummer heraus zu holen. Traurig ließ ich sie ziehen. Juli hieß sie, wie der Sonnenmonat im Sommer, der dich wärmt. Wann werde ich die wohl wiedersehen? Sie hätte bestimmt nichts gegen ein Eigenheim für all ihrer kleinen Rabauken.